Wer Jordanien mit Petra, Wadi Rum oder dem Toten Meer bereisen möchte, sollte Sicherheitsfragen nicht ausblenden. Die kurze Antwort auf die Frage „Ist Jordanien sicher?“ lautet: Im Alltag ist das Land für viele Reisende gut bereisbar, aktuell bleibt die regionale Sicherheitslage jedoch angespannt. Ich zeige, welche Gebiete problematisch sind, welche Risiken tatsächlich relevant sind und wie ich eine Reise gesundheitlich und organisatorisch vorbereiten würde.
Jordanien ist touristisch gut erschlossen, verlangt aktuell aber besondere Vorsicht
- Grenzregionen meiden: Von Reisen nahe der syrischen und irakischen Grenze wird dringend abgeraten.
- Regionale Spannungen: Militärische Entwicklungen können Flugverkehr, Grenzübergänge und Ausflüge kurzfristig beeinflussen.
- Kriminalität: Die allgemeine Kriminalitätsrate ist niedrig, dennoch kommen Taschendiebstahl, Autoaufbrüche und Belästigungen vor.
- Gesundheit: Hepatitis A, Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene, Sonnenschutz und eine gute Auslandskrankenversicherung gehören zur Grundvorbereitung.
- Verkehr: Nachtfahrten über Land, unübersichtliche Straßen und unzuverlässige Fahrzeuge sind größere Alltagsrisiken als viele Reisende erwarten.
Ist Jordanien sicher für Reisende?
Meine Einschätzung fällt zweigeteilt aus. Jordanien besitzt eine etablierte touristische Infrastruktur, viele Menschen sind gastfreundlich und die Kriminalität ist im regionalen Vergleich niedrig. Gleichzeitig liegt das Land in einer konfliktreichen Region, sodass sich die Lage schneller verändern kann als bei einer klassischen Mittelmeerreise.
Das Auswärtige Amt rät derzeit dringend von Reisen in das unmittelbare syrisch-jordanische Grenzgebiet, in den Nordosten und in die Grenzregion zum Irak ab. Für andere Landesteile wird von nicht notwendigen Reisen abgeraten. Das bedeutet nicht, dass in jeder Straße von Amman oder an jeder Sehenswürdigkeit eine akute Gefahr besteht. Es bedeutet aber, dass eine reine Urlaubsreise aktuell nur nach sorgfältiger Prüfung der Lage und mit einem flexiblen Plan sinnvoll ist.
Für mich ist die entscheidende Unterscheidung deshalb nicht „sicher oder unsicher“, sondern welche Route, welcher Zeitpunkt und welcher Reisezweck. Eine organisierte Kulturreise entlang etablierter Orte ist anders zu bewerten als eine abgelegene Fahrt in Grenznähe oder eine spontane Überlandtour ohne aktuelle Informationen.
Wo die Sicherheitslage besonders kritisch ist
Die größten Risiken liegen nicht gleichmäßig über das ganze Land verteilt. Grenzgebiete, militärische Anlagen und Regionen mit möglicher politischer oder militärischer Eskalation sollten aus einer touristischen Route gestrichen werden. Auch Grenzübergänge nach Israel können kurzfristig ihre Öffnungszeiten ändern oder vorübergehend geschlossen werden.
| Gebiet oder Situation | Meine Einschätzung | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|
| Syrisch-jordanische Grenze | Sehr hohes Risiko | Nicht bereisen und keine spontanen Abstecher planen |
| Grenze zum Irak und Nordosten | Sehr hohes Risiko | Route konsequent vermeiden |
| Amman, Petra, Aqaba und etablierte Rundreisen | Touristisch erschlossen, aber nicht risikofrei | Aktuelle Warnungen, lokale Anweisungen und Nachrichten beachten |
| Demonstrationen und große Menschenmengen | Unberechenbare Entwicklung möglich | Großräumig ausweichen und nicht fotografieren oder diskutieren |
| Flughäfen und Grenzübergänge | Änderungen kurzfristig möglich | Flug- und Transferpläne mit Zeitpuffer organisieren |
Ich würde außerdem keine militärischen Einrichtungen, Regierungsgebäude, Grenzanlagen oder sicherheitsrelevante Infrastruktur fotografieren. Bei ungewöhnlichen Geräuschen, Warnmeldungen oder Sperrungen gilt für mich eine einfache Regel: nicht neugierig näherkommen, sondern Abstand gewinnen und den Anweisungen der Behörden folgen.
Die Eintragung in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ und die App „Sicher Reisen“ des Auswärtigen Amts sind für deutsche Reisende sinnvoll. Ebenso wichtig ist, einer Kontaktperson zu Hause die Reiseroute, Unterkunftsdaten und Kopien der wichtigsten Dokumente zu hinterlassen.
Wer bereits in Jordanien ist, sollte die Nachrichtenlage nicht nur beim Frühstück im Hotel prüfen. Gerade bei regionalen Spannungen können Flugverbindungen, Straßen und Grenzübergänge innerhalb weniger Stunden betroffen sein.

Welche Alltagsrisiken Reisende wirklich erwarten
Viele Menschen denken bei Jordanien zuerst an Terrorismus. Das Risiko ist real und lässt sich nicht ausschließen, doch im persönlichen Reisealltag sind oft banalere Gefahren entscheidend. Verkehr, Hitze, ungesicherte Wanderwege und kleine Diebstähle verdienen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit.
Kriminalität und persönliche Sicherheit
In touristischen Zentren ist die Kriminalitätsrate vergleichsweise niedrig. Taschendiebstähle, Einbrüche in Fahrzeuge und Belästigungen kommen jedoch vor, besonders an stark besuchten Orten wie dem Toten Meer oder Wadi Mujib sowie in ländlichen Gegenden.
- Pass, größere Geldbeträge und wichtige Medikamente im Hotelsafe oder sicher verschlossen aufbewahren.
- Keine Wertsachen sichtbar im Mietwagen liegen lassen, auch nicht während eines kurzen Fotostopps.
- Für Fahrten offizielle Taxis, seriöse Anbieter oder vom Hotel organisierte Transfers wählen.
- Nach Einbruch der Dunkelheit abgelegene Wege und unbekannte Stadtviertel meiden.
- Als allein reisende Frau besonders bei privaten Einladungen, spontanen Fahrdiensten und nächtlichen Wegen vorsichtig sein.
Eine zurückhaltende Kleidung erleichtert vieles. Schultern und Knie müssen nicht überall vollständig bedeckt sein, aber an religiösen Orten und in konservativeren Gegenden wirkt dezente, nicht zu freizügige Kleidung respektvoll und reduziert unnötige Aufmerksamkeit.
Verkehr und Überlandfahrten
Das Fahren in Jordanien kann anstrengender sein als die Straßenkarten vermuten lassen. Unbeleuchtete Fahrzeuge, Schlaglöcher, hohe Geschwindigkeit, plötzlich wechselnde Fahrspuren und Tiere auf der Fahrbahn gehören zu den typischen Problemen. Ich würde längere Strecken möglichst bei Tageslicht zurücklegen und bei Unsicherheit einen erfahrenen Fahrer buchen.
Bei Mietwagen sind ein gültiger Führerschein, ausreichender Versicherungsschutz und eine genaue Prüfung des Fahrzeugs wichtig. Sicherheitsgurte sollten selbstverständlich sein. Nachtfahrten über Land würde ich vermeiden, selbst wenn die Strecke auf der Karte kurz aussieht.
Wandern, Wadis und Wüste
Petra, Wadi Rum und Wadi Mujib sind eindrucksvoll, aber keine völlig risikofreien Fotokulissen. In Canyons können Sturzfluten auftreten, besonders während der regenreicheren Monate von November bis März. Nach starkem Regen sollte man Wadis nicht betreten, auch wenn am eigenen Standort die Sonne scheint.
Für abgelegene Wanderungen gehören ausreichend Wasser, Sonnenschutz, festes Schuhwerk und eine verlässliche Wetterprüfung ins Gepäck. Bei anspruchsvolleren Routen würde ich einen lokalen Anbieter mit nachweisbarer Erfahrung und Versicherung wählen. Ein niedriger Preis ist hier kein gutes Auswahlkriterium, wenn Sicherheitsausrüstung oder Ortskenntnis fehlen.
Gesundheit, Klima und medizinische Vorbereitung
Gesundheitlich ist Jordanien für viele Urlauber gut zu bewältigen, sofern die Reise nicht zu sorglos angegangen wird. Die häufigsten Probleme sind aus meiner Sicht Magen-Darm-Beschwerden, Dehydrierung, Sonnenbrand und kleinere Verletzungen, nicht exotische Tropenkrankheiten.
Impfungen und Medikamente
Die Standardimpfungen sollten aktuell sein. Für Jordanien wird in der Regel eine Hepatitis-A-Impfung empfohlen. Je nach Aufenthaltsdauer, Reiseart und persönlicher Situation können außerdem Impfungen gegen Hepatitis B, Typhus oder Tollwut sinnvoll sein. Eine reisemedizinische Beratung einige Wochen vor Abflug ist besonders bei Kindern, Schwangerschaft, chronischen Erkrankungen oder längeren Aufenthalten ratsam.
Verschreibungspflichtige Medikamente sollten in ausreichender Menge und möglichst in der Originalverpackung mitgeführt werden. Für bestimmte Präparate kann eine ärztliche Bescheinigung in englischer Sprache erforderlich sein. Medikamente, die in Deutschland problemlos erhältlich sind, können in anderen Ländern rechtlich anders behandelt werden.
Wasser, Essen und Mückenschutz
Ich würde zum Trinken und Zähneputzen nur Wasser aus sicherer Quelle verwenden. Verschlossene Flaschen sind die unkomplizierteste Lösung. Bei Eiswürfeln, rohen Speisen, nicht durchgegarten Produkten und offenen Buffets ist etwas Zurückhaltung sinnvoll, besonders außerhalb etablierter Hotels.
Händewaschen oder ein Desinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol hilft unterwegs. Mückenschutz ist ebenfalls sinnvoll, vor allem in der Dämmerung und bei Übernachtungen mit offenen Fenstern. Lange, luftige Kleidung und ein geeignetes Repellent sind meist ausreichend.
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Hitze, Sonne und Tiere
Die trockene Wärme wird oft unterschätzt, weil sie weniger drückend wirkt als feuchte Sommerhitze. Regelmäßig trinken, Pausen im Schatten einlegen und körperlich anstrengende Besichtigungen in die frühen Morgenstunden legen. In Wüste und Schluchten sollte man nie nur eine kleine Wasserflasche mitnehmen.
Kamele, Hunde und andere Tiere nicht ungefragt anfassen oder füttern. Nach einem Biss oder Kratzer sollte die Wunde sofort mit Wasser und Seife gereinigt und ärztlich abgeklärt werden. Bei Tollwut zählt nicht die Größe der Verletzung, sondern wie schnell eine Behandlung beginnt.
Eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport ist für mich unverzichtbar. Medizinische Versorgung ist in Amman meist besser verfügbar als in abgelegenen Regionen. Deshalb sollten Reisende vorab prüfen, ob die Police auch private Behandlung, Rettungskosten und eine medizinisch notwendige Evakuierung abdeckt.
So plane ich eine Jordanienreise mit vertretbarem Risiko
Eine gute Vorbereitung nimmt der Reise nicht die Spontaneität, sie verhindert lediglich vermeidbare Fehler. Ich würde die Planung in fünf einfachen Schritten angehen:
- Reisehinweise am Abflugtag prüfen: Nicht nur bei der Buchung, sondern auch kurz vor der Abreise und während des Aufenthalts.
- Route regional begrenzen: Grenzgebiete, militärische Sperrzonen und abgelegene Strecken auslassen.
- Flexibel buchen: Umbuchbare Flüge und Unterkünfte sind bei möglichen Sperrungen deutlich wertvoller als der letzte Rabatt.
- Transfers absichern: Seriöse Fahrer, Tagesfahrten und bestätigte Unterkünfte nutzen.
- Notfallset vorbereiten: Kopien von Pass und Versicherung, Medikamente, Powerbank, Wasser, Sonnenschutz und wichtige Telefonnummern mitnehmen.
Die jordanische Notrufnummer ist 911. Sie sollte im Telefon gespeichert sein, zusätzlich zu den Kontaktdaten der Unterkunft, des Reiseveranstalters und der deutschen Vertretung. Bei einem Verkehrsunfall würde ich am Unfallort bleiben, Hilfe rufen und nicht eigenständig mit anderen Beteiligten über Schuld oder Zahlung verhandeln.
Besondere Vorsicht gilt auch bei Alkohol, Drogen und privaten Feiern. Drogendelikte werden in Jordanien bereits bei kleinen Mengen streng bestraft. Wer verschreibungspflichtige Medikamente einführt, sollte deren Notwendigkeit dokumentieren und sich vorab über die geltenden Regeln informieren.
Meine Entscheidungshilfe für eine Reise nach Jordanien
Für eine geplante Urlaubsreise würde ich Jordanien aktuell nicht pauschal als unsicher abstempeln, aber auch nicht als völlig unbeschwertes Reiseziel darstellen. Die touristischen Zentren und die regionale Sicherheitslage sind zwei verschiedene Ebenen. Genau diese Unterscheidung verhindert sowohl unnötige Angst als auch gefährliche Sorglosigkeit.
Wer flexibel ist, aktuelle Warnungen verfolgt, Grenzregionen meidet und die Route professionell organisiert, kann die kulturellen und landschaftlichen Höhepunkte des Landes verantwortungsvoll erleben. Wenn sich die regionale Lage verschärft, Flüge ausfallen oder Behörden von nicht notwendigen Reisen abraten, würde ich eine reine Urlaubsreise verschieben. Bei Sicherheit und Gesundheit ist ein späterer Reisetermin meistens der bessere Kompromiss als ein unnötiges Risiko.
